Wie sieht es aus um unsere Internet Geschwindigkeit?

Schnelleres Internet, Glasfaser, Streaming, Homeoffice, Gaming, usw...

Wie sieht es aus um unsere Internet Geschwindigkeit?

Severin Stiehl betreibt den Pontanet-Shop in der Passage des Globus Gensingen. Neben Kopien, Passfotos und Dienstleitungen rund um den Computer ist er auch unabhängiger Berater für Telefon und Internet. Hierbei steht er im ständigen Austausch mit verschiedenen Anbietern und hilft seinen Kunden einen Überblick im Tarif-Jungle zu behalten. Als Ortsbürgermeister hatte er mir schon die ein oder andere Verständnisfrage beantworten können.

Wie schnell ist unser aktuelles Internet in Grolsheim?

Stiehl: Bis zu einigen Verteilerkästen in Grolsheim liegt Glasfaser. Die letzten Meter ins Haus geht es per alter Kupferleitung (FTTC Netz). Dennoch haben wir aktuell für die meisten unserer Grolsheimer Kunden einen 50 tausend MBit bis 100 tausender Anschluss bei drei Verschiedenen Betreibern buchen können. Einige sind so weit weg von den schnellen Verteilerkästen, dass wir „nur“ eine 25 tausender Leitung buchen konnten z.B. in der Dammstraße Richtung Spielplatz.

Wie kann es dann sein, dass einige Bürger:innen von ihrem Anbieter gesagt bekommen, bei ihnen ginge nur 5000 oder 6000 oder 16tausend Mbit? Das ist doch zu langsam für Homeoffice, Streaming und Onlinespiele?

Stiehl: Die Firma EON (früher Innogy, zuvor RWE) betreibt das schnellere FTTC Glasfaser Netz. Diese kooperieren mit der Telekom für die Kupferleitungen bis zum Haus. Die schnellen Tarife gibt es bei EON und Telekom, außerdem bei 1&1 welche mit EON kooperiert. Andere Betreiber bieten natürlich nur das konventionelle DSL Netz an, welches langsamer ist.

Ärgerlicherweise hatte ich schon viele Kunden deren Telekom Berater ihnen sagte, es gebe keinen schnelleren Tarif. Diese finden dann ihren eigenen schnelleren Kooperationstarif mit EON im System nicht. Ich helfe den Kunden dann mit wenigen Klicks und buche ihnen einen schnellen Tarif bei der Telekom, den witzigerweise die Firma dem Kunden selbst nicht angeboten hatte. Für viele ist der ärger so groß dass sie bei der Gelegenheit auch den Anbieter wechseln.

Es gab auch Leute die als Antwort hatten: Es gebe keine freien Ports (Steckplätze) mehr an den Verteilungen?

Das stimmt es gab letztes Jahr einen Engpass. Zum Glück hat die Telekom nach Beschwerde bei der Bundesnetzagentur die Schaltkästen aufgerüstet. Seit dem sind neben den 50 tausender Leitungen auch 100 tausender Leitungen möglich. Einige wohnen sogar so nah am Verteilerkasten, dass sie einen 200 tausender Anschluss haben. Die Engpässe sind also behoben und genügend Anwohner können jetzt also noch aufrüsten von ihrem langsamen Internet.

Manche Bürger:innen beklagen, dass sie nicht das versprochene Tempo erhalten. Was kann man hier sagen?

Stiehl: Es stimmt, dass fast alle Tarife nicht ganz die maximale Bandbreite bis ins Haus liefern können. Das ist auch normal und oft vertraglich auch so beschrieben. Auch ist es durch die Kupferleitungen auf den letzten Metern tatsächlich so, dass das Internet bei hoher Auslastung z.B. an den Abendstunden etwas langsamer wird. Sollten die Geschwindigkeiten deutlich abweichen muss man sich den Einzelfall anschauen. Oft liegt es am heimischen W-Lan Netz oder störungsanfälligen W-Lan-Verstärkern. Kommen Kunden zu uns finden wir oft die Lösung des Problems. Wir hatten aber auch schon Vertragsverletzungen entdeckt und dann den Betreibern Druck gemacht. Diese haben durch so einen Fall auch in Grolsheim eine durch Bagger beschädigte Leitungen finden können die das Internet gebremst hat!

Wie sieht es um das Glasfaser ins Haus (FTTH) Netz in Grolsheim aus?

Stiehl: Im Rahmen eines Förderprogramms wurden Haushalte mit besonders langsamen Internet auf Kosten des Bundes an das Netz angeschlossen. Die geförderten Haushalte in Grolsheim waren leider nur die Häuser im Rheinhessenweg. Diese haben die Leerrohre zwar seit Anfang des Jahres im Haus, jedoch die Glasfaser Leitung fehlt bis jetzt. Wann die kommt ist unklar, da sich viele Firmen bei der Ausführung scheinbar übernommen haben.

Können wir nicht den gesamten Ort an das Glasfaser Netz anbinden?

Stiehl: Es gibt Anbieter die würden den gesamten Ort an das Netz eigenwirtschaftlich also ohne staatliche Förderung anbinden. Jedoch würden diese Anbieter vorher abfragen ob auch ein Interesse an den dann möglichen extra-schnellen-Tarifen besteht. Diese sind aber heutzutage häufig teurer als die bestehenden Tarife. Sind nicht genügend Bürger an zwar schnelleren aber auch teureren Tarifen interessiert, wird der Ausbau schnell unattraktiv für den Betreiber. Es müssen erfahrungsgemäß mindestens 40% der Bewohner ein Interesse bekunden damit die Bagger rollen. Und hier liegt das Problem: Viele Bürger sind mit einer 50 oder 100 tausender Leitung wie in Grolsheim recht zufrieden und sehen keinen Grund monatlich mehr zu bezahlen, auch wenn es nur wenige Euro wären.

Wie sollten wir damit umgehen? Sollen wir einfach mal die Bürgerumfrage mit einem Betreiber zusammen zeitnah durchführen?

Stiehl: Die Frage ist schwierig zu beantworten. Es gibt Gemeinden hier in der Nähe, welche ein negatives Ergebnis in so einer Umfrage haben, also die Bürger nicht genug Interesse an einem Glasfaser Ausbau hatten. Diese haben es nun schwer in wenigen Jahren einen Betreiber zu finden der es dennoch macht, auch so eine Umfrage kostet die Betreiber schließlich Geld. Wir wissen aber, dass die Glasfaser Technologie immer günstiger wird und der Wettbewerb eher straffer wird. Dies könnte schon in wenigen Jahren dazu führen, dass die Glasfaser-Tarife nach einem Ausbau sogar günstiger wären als die Tarife, welche mit Kupfer ins Haus gehen. Außerdem hat Glasfaser bei der Immobilienbewertung einen wesentlichen Einfluss. Dann werden viele Bürger sehr offen für den Ausbau sein. Hier könnte ein Ausbau schneller sein, und man könnte sich als Gemeinde vielleicht sogar aus mehreren Betreibern einen zuverlässigen aussuchen.

Es klingt so als könnte man schonmal Kontakt zu den Betreibern suchen und aufnehmen, aber nicht überstürzt einen schnellen Ausbau erzwingen?

Stiehl: Das klingt vernünftig. Durch das vorhin erwähnte Bundesförderprogramm sind viele Betreiber bis heute ordentlich beschäftigt. Man kann davon ausgehen, dass die Unternehmen aber in naher Zukunft die Maßnahmen abgeschlossen und Kapazitäten frei haben um sich Gedanken zu machen wie man sich viele Marktanteile im Glasfasernetz auch in kleineren Gemeinden sichert. Noch etwas Geduld scheint meiner Meinung nach sinnvoll.

Was kann ich Bürger:innen sagen, die unzufrieden sind mit ihrer aktuellen Internet-Geschwindigkeit sind?

Stiehl: Natürlich kannst Du die zu uns schicken zur unverbindlichen Beratung. Das ist natürlich Werbung in eigenem Interesse, aber ich muss auch sagen, dass ich es ärgerlich finde wenn sich Menschen mit ihrem langsamen Internet im Homeoffice quälen, wenn sie oft für weniger Geld eine bessere Leitung bekommen könnten. Wir haben schon einigen Leuten insbesondere auch Grolsheimern helfen können.

Ich bedanke mich für das Gespräch!

Das Gespräch führte Matthias Hang. Kommentar: Da das Gespräch für einige Bürger:innen sehr interessant ist und ich immer wieder Rückfragen zu dem Thema erhalte, habe ich mich entschieden das Gespräch hier zu veröffentlichen und kostenfrei Werbung für das kleine Geschäft im Nachbarort zu machen:

pontanet GmbH
Binger Strasse (im Globus SB-Warenhaus)
55457 Gensingen

Telefon: +49 (0)6727 897 805
E-Mail: info(at)pontanet.de
http://www.pontanet.de

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