Das Mühlrad der Katharinenmühle | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Das erhaltene Mühlrad der einstigen Katharinenmühle zeugt von der jahrhundertealten Wasserkraftnutzung an der Nahe in Grolsheim.

Das Mühlrad der Katharinenmühle

Das Mühlrad der Katharinenmühle

Dieses Mühlrad ist eines der letzten sichtbaren Zeugnisse der einstigen Mühlenlandschaft an

der Nahe. Es stammt von der Katharinenmühle, die nur wenige hundert Meter von hier

entfernt lag.

An der Nahe gibt und gab es traditionell besonders viele Mühlen. Lange bevor

Dampfmaschinen oder Elektrizität verfügbar waren, nutzten die Menschen die Wasserkraft

des Flusses und seiner zahlreichen Nebenbäche. Weil die Nahe auf ihrem Weg vom Saarland

bis zum Rhein ein vergleichsweise starkes Gefälle und zahlreiche Zuflüsse hat, siedelten sich

hier viele Mühlenbetriebe an, die von der an die Nahe angrenzenden Landwirtschaft mit

ihren fruchtbaren Böden profitierte.

Die Katharinenmühle wurde 1864 vom wohlhabenden Landvermesser Eduard Braden

aus Büdesheim errichtet und nach seiner Ehefrau Katharina benannt. Über mehr als ein

Jahrhundert wurde hier Getreide gemahlen. Die Mühle gehörte damit zu den vielen

Betrieben, die die Wasserkraft der Nahe und ihrer Mühlgräben nutzten. Damals waren

Wassermühlen wichtige Wirtschaftsbetriebe und versorgten die Menschen der Region mit

Mehl.

Angetrieben wurde die Mühle von einem beeindruckenden unterschlächtigen Wasserrad. Es

hatte einen Durchmesser von 6,50 Metern und eine Breite von 4,50 Metern. Die Strömung

des Wassers setzte das Rad in Bewegung und lieferte die Energie für die Mühlentechnik. Mit

einer Leistung von rund 65 Kilowatt war die Anlage für ihre Zeit bemerkenswert

leistungsfähig.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde die Katharinenmühle von der Kraft des Wassers

angetrieben. Mit dem Aufkommen großer Industriemühlen z. B. am Rhein, dem Bau

moderner Transportwege und elektrischer Antriebe konnten viele kleinere Wassermühlen

wirtschaftlich nicht mehr mithalten. Viele Mühlen wurden bereits in den 1920er Jahre

stillgelegt – die Katharinenmühle stellte ihren Betrieb schließlich im Jahr 1969 ein.

Nach der Einstellung des Mühlenbetriebs verlor die Anlage ihre ursprüngliche

Funktion. Im Zuge der Deichertüchtigung an der Nahe musste der Mühlenanbau später

abgebrochen und der Mühlgraben verfüllt werden. Das rund 16 Tonnen schwere Mühlrad

konnte jedoch Dank eines Gemeinderatsbeschlusses im Jahr 2019 von der Ortsgemeinde Grolsheim

gerettet werden.

Heute erinnert es als technisches Denkmal an die lange Geschichte der Wasserkraftnutzung

in Grolsheim und an die Menschen, die hier über Generationen hinweg lebten und

arbeiteten.

Technische Daten:

● Bau der Mühle: 1864

● Mühlenart: Getreidemühle

● Stilllegung: 1969

● Wasserrad: unterschlächtig

● Durchmesser: 6,50 m

● Breite: 4,50 m

● Leistung: ca. 65 kW

● Gewicht des erhaltenen Rades: ca. 16 t

Text von: Hilke Wiegers